PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : der mysteriöse Menhir von Kermore, die Rätsel des Steinzeitbrunnens von Kermore



Sunny N.
18.08.2018, 11:38
.
Der mysteriöse Menhir von Kermore, ein weiteres Rätsel am Steinzeitbrunnen von Kermore


Besonders schwer einzuordnen ist

dieser massive, behauene Stein:
http://la-fontaine.tv/IMG_8867.JPG http://la-fontaine.tv/IMG_8847.JPG



Der mysteriöse Menhir von Kermore


Bei der Reinigung des Steinzeitbrunnes von Kermore im Jahre 2008 wurde ein großer behauener Menhir gefunden. Er ist etwa 1,50 m lang, 75 cm breit und 50 cm tief. Sein Gewicht beträgt ca. 500 kg . Der Stein hat eine ungewöhnliche, abstrakte Form, die sehr unterschiedliche Interpretation zulässt.

Das obere Drittel des Steins wird aus einem rechtwinkeligen Dreieck gebildet. Die dem rechten Winkel des Dreiecks gegenüber liegende Seite (Hypothenuse) ist zusätzlich seitlich abgeschrägt. Die abgeschrägte Spitze des Steins hat eine geglättete Oberfläche. Die Dreiecksfläche war ursprünglich größer; an einer Seite des Dreiecks fehlt ein ca. 15 x 20 cm (?) großes Stück.

Im unteren Drittel des Steins wurde über die gesamte Breite des Steins Material abgetragen. Gesamtvolumen des abgetragenen Materials 50 cm x 70 cm x 7 cm = 0,245 qm. Diese umfänglich Steinbearbeitung ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Forum des Steins nicht natürlichen Ursprungs ist.

Die Rückseite des Steins ist flächig und weist keine erkennbaren Bearbeitung auf.

Der Stein wirkt sehr wuchtig und vermittelt den Eindruck einer abstrakten Skulptur.



Interpretationen:


Naheliegend ist zunächst eine Bearbeitung des Menhirs in der Steinzeit. Direkt neben dem Stein, in 1 m Abstand, befindet sich ein horizontal liegender Stein der mehrere kreisförmige Vertiefungen aufweist. 70 m östlich, im Hof von Kermore, befindet sich ein Schalenstein der für die Steinzeit typische Bearbeitung aufweist. (Auf Französisch werden die Eintiefungen als Pierres aux écuelles oder pierre à cupules bezeichnet.) Die ältesten Schalensteine werden ungesichert der Mittelsteinzeit (8000 bis 4500 v. Chr.) und nur bedingt der Jungsteinzeit (4500 bis 1500 v. Chr.) zugeschrieben.

http://morbihan.vive-la-france.info/kermor57.JPG http://morbihan.vive-la-france.info/kermor52.JPG

Schalenstein und rechteckige Vertiefung im Hof von Kermore



Ebenfalls im unmittelbaren Bereich des Menhirs wurden zwei Werkzeuge aus Silex gefunden. Sowie Bruchstücke aus Silex.

http://la-fontaine.tv/IMG_8973.JPG


In der Nähe von Kermore befinden sich zwei Steinzeitdenkmäler: die Allee couverte von Cleguerec "Bot-er-mohed" ist ca. 5 km entfernt und die Allee von Saint Nizon (Malguenac) ist nur 1 km entfernt.


In der keltischen Kultur gibt es Skulpturen aus Stein, aber auch deren Interpretation erweist sich als schwierig. Das sich neben dem Menhir befindliche Steinherz könnte jedoch ein Hinweis auf eine Bearbeitung durch keltische Steinmetze hinweisen. Nachgewiesen sind jedenfalls herzförmige Darstellungen der Kelten. Salzherzen (1


http://la-fontaine.tv/IMG_8784-002.JPG http://la-fontaine.tv/Menhir_Kermore.JPG

Gravuren mit Kreide nachgezogen "Fingerfeige" ?


Aufgrund der oberflächlichen Gravuren ist eine "Nachbearbeitung" des Menhirs durch römische Steinmetze wahrscheinlich. Die Form des Steins und die oberflächlichen Strukturen können als Hand interpretiert werden, wobei offen ist, ob es sich um eine Hand mit ausgetrecktem Zeigefinger, oder um eine "Fingerfeige" handelt.


Der nach oben gestreckte Arm und Zeigefinger (digitus salutaris) war im römischen Reich die gängige Begrüßungsgeste.


Die "Fingerfeige", bei der der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt ist, war im antiken Rom ein Fruchtbarkeits- und Glückssymbol. Als Amulett wurde die "mano in fica" auch zur Abwehr von bösem Zauber verwendet.

Da sich ca. 1 km entfernt vom Brunnen von Kermore eine Römerstasse befindet, kann davon ausgegangen werden, dass die Quelle von Römern besucht wurde.






Die Neuzeit in der Bretagne war leider auch die Zeit der Zerstörung alter Bauwerke. Auch die Megalithen in der Umgebung von Kermore wurden nicht verschont. Durch eine C-14 Analyse (Radiocarbondatierung) von Pflanzenmaterial konnte nachgewiesen werden, dass der Menhir 1680 ( + - 30 Jahre) umgeworfen wurden. Vermutlich wurde, ebenfalls in diesem Zeitraum, der große Menhir, der sich 80 m süd-östlich vom Brunnen befindet, gesprengt.


Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei der Errichtung des Gehöfts von Kermore oder der Mühle von Kermore der 10 m westlich des Steinzeitmonuments befindliche Brunnen mit massiven Granitblöcken verkleidet wurde. Aus diesem Brunnen wurde bis zum Ende das 19. Jhd. das Gehöft und die Mühle von Kermore mit Trinkwasser versorgt.

Wie aus anekdotenhaften Erzählungen zu entnehmen ist, gab es in diesem Zeitraum ein Ritual das bei Knochenerkrankungen hilfreich sein sollte. Dazu war es nötig das Steinzeitzmonument von Kermore dreimal zu umrunden. Interessant ist dabei, dass nicht der Brunnen mit der Graniteinfassung umrundet wurde, sonderen der große Felsblock.

1960 wurde über der Graniteinfassung eine Steinpyramide errichtete. In einer Aussparung der Pyramide befand, bzw. befindet sich immer noch, eine kleine Figur die die hl Anna darstellt. Steinpyramide und Figur wurden im Rahmen einer religiösen Zeremonie eingeweiht. Die frühere Besitzerin von Kermore berichtete, dass über einen längeren Zeitraum Prozession zu Ehren der hl. Anna durchgeführt wurden. Da das Terrain sehr feucht war, wurden vorhandene Vertiefungen in denen sich das Wasser sammelte, mit Erde aufgeschüttet. Die meisten Steine des Megalithbauwerks liesen sich ab diesem Zeitpunkt nur noch erahnen.


Etwa im selben Zeitraum wechselte der Besitzer der Mühle von Kermore. Da die Furt durch den naheliegenden Bach (Fretu) mit dem Auto nicht befahrbar war, entschoß sich der neue Besitzer zu verschiedenen Baumaßnahmen. Es wurde u. A. mit einem großen Bagger der Teich von Kermore ausgehoben und ein Damm mit einem regulierbaren Ablauf (Mönch) gebaut. Das Wasser konnte mit dem neu angelegten, befahrbaren Damm angestaut werden und überflutete die vorher zum Gemüseanbau und als Viehweiden dienenden Flächen. Später führten die Baumaßnahmen, das Überfluten der Grundstücke und die neu eingerichte Strasse zu heftigen Irritation zwischen den Nachbarn, die bis ins Jahr 2008 andauerten und die schließlich letztinstanzlich geklärt wurden.
Es ist auch anzunehmen, dass bei den maschinell durchgeführten Erdarbeiten die Positionen von größeren Steinen verändert wurden. Ein nun auf dem Damm befindlicher Steintisch wurde mit Sicherheit nicht über eine weite Strecke transportiert, sondern aus dem "herumliegenden Material" zusammengestellt.


Etwa 1970 hatte einer der Bewohner von Kermore den Eindruck, dass das Wasser im granitgefassten Brunnen nicht mehr sauber genug war "um damit Suppe zu kochen". Er grub deshalb 30 m nord-westlich der ursprünglichen Quelle nach Wasser. Den neuen Brunnen deckte er mit Maschendraht ab um Tiere fern zu halten.
Das Abgraben des Wasser führte vermutlich endgültig zum Versiegen des Wassers im direkten Bereich des zentralen Felsens.

Aus der Distanz beobachtet, erscheinen die Aktivitäten der Anwohner fragwürdig. Aber, während das Interesse an Dolmen oder Menhiren sich nach Steinzeit, spätestens nach der Zeit Kelten , darauf beschränkte diese als Baumaterial zu verwenden, war der Brunnen von Kermore fortwährend von praktischem Nutzen und demensprechend in Gebrauch.
Zunächst war der große Felsen und das auch im Sommer ausreichend vorhandene frische Wasser die ideale Voraussetzung für einen Lagerplatz. Im Laufe der Jahrtausende fanden dann verschiedene Baumaßnahmen statt, über deren tatsächliches Ausmaß nur spekuliert werden kann. Ein gute Vorstellung über die bewussten Zerstörungen erhält man in der gegenüberliegenden Steingruppe auf dem Gebiet der Gemeinde Saint-Nizon / Malguenac. Hier wurde ganz offensichtlich ein großer Steinblock, möglicherweise ein Menhir, schlichtweg in Stücke gesprengt. Nicht um Steine für den Hausbau zu erhalten, nein, es wurde gesprengt um zu zerstören und die Stücke liegen immer noch herum.

Einen kleiner Überblick über die bewegte Geschichte ergibt sich aus den am Brunnen und dessen Ablauf gefunden Tonschreben. Im Laufe der Jahrtausende gingen wohl einige Tonkrüge zu Bruch:




http://la-fontaine.tv/IMG_8852.JPG
Gesamtansicht der Quelle von Kermore, Postition des Menhirs


http://la-fontaine.tv/IMG_8783.JPG

Menhir oder abstrakte Skulptur ? (Farblich veränderte Darstellung )



http://la-fontaine.tv/plan.h5.JPG

FAQ

Der Name Kermore


Ist das Steinherz von Kermore keltischen Ursprungs ?

Zunächst kann mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass es sich um eine natürlich enstandene Form handelt. Inwieweit das natürliche Material bereits die Umrisse eines Herzens hatte ist schwer zu sagen. Daraus folgt , dass auch Aussagen über die weiteren Bearbeitungsschritte spekulativ sind. Die Herzform hat nichts mit der Form des menschlichen Herzen zu tun. Es ist eher die abstrakte Darstellung der weiblichen Brust, oder des Gesäßes. Die ca. 30 000 Jahre alte Venus von Willendorf weist dementsprechende Merkmale auf. Die Menschen der Steinzeit waren mit diesen Formen vertraut, bzw. stellte sie auch dar. Möglcherweise wurde die Herzforum nicht in der heutigen Weise, also mit der Spitze nach unten betrachtet, sondern umgekehrt.
Den Kelten war die Herzform bekannt war. Überliefert ist das Herstellung von herzförmigen Salzblöcken. (1
(1 Salzherzen als frühe Markenzeichen Von Hallstatt aus handelten die Kelten, die zweitweise ein Salzmonopol für große Teile Mitteleuropas innehatten, über weite Strecken mit dem „weißen Gold“, bis in die heutigen Länder Frankreich, Italien und Ungarn.
Um den Absatz weiter zu fördern, wurden in Hallstatt (gleichsam ein früher Marken-Auftritt) auch
herzförmige Blöcke aus Salz
angefertigt. Das war nicht nur ein Gag, sondern auch ein Qualitätsnachweis. Wie Hofrat Dr. Anton Kern, Direktor der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien, erläutert, konnte für die von allen Seiten sichtbaren Herzen nur bestes Salz verwendet werden, https://www.revierpassagen.de/26329/das-weisse-gold-der-kelten-salz-haelt-auch-uralte-fundstuecke-frisch/20140821_1145

Cher
19.01.2019, 09:06
guter Artikel ! Spannende Geschichte !

Fabel
23.01.2019, 09:44
Ich lese und staune !

Super, was dieser passionierte Archäologe da schon alles erforscht hat ! Wie heisst er eigentlich ? Im Internet habe ich Manfred La-Fontaine gefunden. Aber das ist ja wohl ein Künstlername. Oder ?

Was die Tonscherben angeht, da gibt es eine neue Methode das Alter zu erforschen. Da wird einfach nur der Ton erhitzt (500 Grad !) und dann gewogen. Anschließend wird derTon ein paar tage liegen gelassen, so dass er wieder Wasser aufnimmt. Aus der Differenz der verdampften Wassermenge und der wieder aufgenommenen Wassermenge kann auf das Alter geschlossen werden. Finde ich faszinierend !

Cher
23.01.2019, 09:49
aus der Differenz der verdampften Wassermenge und der wieder aufgenommenen Wassermenge kann auf das Alter geschlossen werden. Finde ich faszinierend !

Ich auch ;)

und - Manfred La-Fontaine ist ein Künstlername, da liegts Du richtig

Nemo 2
23.01.2019, 16:53
Die Quelle wurde von Manfred La-Fontaine im Jahre 2008 freigelegt.

Cher
29.01.2019, 12:45
texte übertragen in eine rubrik