Der mysteriöse Menhir von Kermore, ein weiteres Rätsel am Steinzeitbrunnen von Kermore


Besonders schwer einzuordnen ist

dieser massive, behauene Stein:




Der mysteriöse Menhir von Kermore
Bei der Reinigung des Steinzeitbrunnes von Kermore im Jahre 2008 wurde ein großer behauener Menhir gefunden. Er ist etwa 1,50 m lang, 75 cm breit und 50 cm tief. Sein Gewicht beträgt ca. 500 kg . Der Stein hat eine ungewöhnliche, abstrakte Form, die sehr unterschiedliche Interpretation zulässt.

Das obere Drittel des Steins wird aus einem rechtwinkeligen Dreieck gebildet. Die dem rechten Winkel des Dreiecks gegenüber liegende Seite (Hypothenuse) ist zusätzlich seitlich abgeschrägt.
Die abgeschrägte Spitze des Steins hat eine geglättete Oberfläche. Die Dreiecksfläche war ursprünglich größer; an einer Seite des Dreiecks fehlt ein ca. 15 x 20 cm (?) großes Stück.

Im unteren Drittel des Steins wurde über die gesamte Breite des Steins Material abgetragen. Gesamtvolumen des abgetragenen Materials 50 cm x 70 cm x 7 cm = 0,245 qm. Diese umfänglich Steinbearbeitung ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass die aktuelle Forum des Steins nicht natürlichen Ursprungs ist.


Die Rückseite des Steins ist flächig und weist keine erkennbaren Bearbeitung auf.

Der Stein wirkt sehr wuchtig und vermittelt den Eindruck einer abstrakten Skulptur.



Interpretationen:


Naheliegend ist zunächst eine Bearbeitung des Menhirs in der Steinzeit.
Direkt neben dem Stein, in 1 m Abstand, befindet sich ein horizontal liegender Stein der mehrere kreisförmige Vertiefungen aufweist. 70 m östlich, im Hof von Kermore, befindet sich ein Schalenstein der für die Steinzeit typische Bearbeitung aufweist.


In der keltischen Kultur gibt es Skulpturen aus Stein, aber auch deren Interpretation erweist sich als schwierig. Das sich neben dem Menhir befindliche Steinherz könnte jedoch ein Hinweis auf eine Bearbeitung durch keltische Steinmetze hinweisen. Nachgewiesen sind jedenfalls herzförmige Darstellungen der Kelten.




Gravuren mit Kreide nachgezogen
"mano in fica"( "Fingerfeige") ?


Eine Bearbeitung des Menhirs und des Herzens durch römische Steinmetze ist wahrscheinlich. Der Brunnen von Kermore ist nur 200 m von der Römerstrasse Carhaix - Pontivy entfernt.

Die Form des Steins und die oberflächlichen Strukturen können als Hand interpretiert werden, wobei offen ist, ob es sich um eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger, oder um eine "Fingerfeige" handelt.

Der nach oben gestreckte Arm und Zeigefinger (digitus salutaris) war im römischen Reich die gängige Begrüßungsgeste.


Die "Fingerfeige", bei der der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt ist, war im antiken Rom ein Fruchtbarkeits- und Glückssymbol. Als Amulett wurde die "mano in fica" auch zur Abwehr von bösem Zauber verwendet.

Durch eine C-14 Analyse (Radiocarbondatierung) von Pflanzenmaterial konnte nachgewiesen werden, dass der kleine Menhir 1680 ( + - 30 Jahre) umgeworfen wurden. Vermutlich wurde, ebenfalls in diesem Zeitraum, die große Steinformation, die sich 80 m süd-östlich vom Brunnen befindet, gesprengt.




Menhir oder abstrakte Skulptur ? (Farblich veränderte Darstellung )