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Thema: Der Brunnen von Kermore im Laufe der Jahrtausende

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    Beitrag Der Brunnen von Kermore im Laufe der Jahrtausende


    Der Brunnen von Kermore im Laufe der Jahrtausende


    Die Neuzeit in der Bretagne war leider auch die Zeit der Zerstörung der alten Bauwerke. Zahlreiche Tumuli, Dolmen und Menhire wurden "christianisiert" oder schlichtweg zerstört.
    Auch die Megalithen von Kermore wurden nicht verschont. Durch eine C-14 Analyse
    (Radiocarbondatierung) von Pflanzenmaterial konnte nachgewiesen werden, dass der kleine Menhir 1680 ( + - 30 Jahre) umgestürzt wurden.
    Vermutlich wurde, ebenfalls in diesem Zeitraum, eine große Steinformation die sich 80 m süd-östlich vom Brunnen befindet, gesprengt. Aus den Bruchstücken könnten
    zwei Menhire zusammengesetzt werden.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass bereits bei der Errichtung des Gehöfts von Kermore oder der Mühle von Kermore der neben dem Steinzeitmonument befindliche Brunnen mit massiven Granitblöcken verkleidet wurde. Aus diesem Brunnen wurde bis zum Ende das 19. Jhd. das Gehöft und die Mühle von Kermore mit Trinkwasser versorgt.

    Wie aus anekdotenhaften Erzählungen zu entnehmen ist, gab es in diesem Zeitraum ein Ritual das bei Knochenerkrankungen hilfreich sein sollte. Dazu war es nötig das Steinzeitmonument dreimal zu umrunden. Interessant ist dabei, dass nicht der Brunnen mit der Graniteinfassung umrundet wurde, sondern der große Felsblock.

    1960 wurde über der Graniteinfassung der Quelle eine Steinpyramide errichtete. In einer Aussparung der Pyramide befand, bzw. befindet sich immer noch, eine kleine Figur die die hl. Anna darstellt. Steinpyramide und Figur wurden im Rahmen einer religiösen Zeremonie eingeweiht.



    Die frühere Besitzerin von Kermore
    berichtete, dass über einen längeren Zeitraum Prozession zu Ehren der hl. Anna durchgeführt wurden. Da das Terrain sehr feucht war, wurden vorhandene Vertiefungen in denen sich das Wasser sammelte, mit Erde aufgeschüttet. Die meisten Steine des Megalithbauwerks liesen sich ab diesem Zeitpunkt nur noch erahnen.

    Etwa im selben Zeitraum wechselte die Mühle von Kermore den Besitzer. Da die Furt durch den naheliegenden Bach (Frétu) mit dem Auto nicht befahrbar war, entschloß sich der neue Besitzer zu verschiedenen Baumaßnahmen. Es wurde u. A. mit einem großen Bagger der Teich von Kermore ausgehoben und ein Damm mit einem regulierbaren Ablauf (Mönch) gebaut.
    Das Wasser konnte mit dem neu angelegten, befahrbaren Damm angestaut werden und überflutete teilweise die vorher zum Gemüseanbau und als Viehweiden dienenden Flächen. Später führten die Baumaßnahmen, das Überfluten der Grundstücke und die neu eingerichtete Strasse zu heftigen Irritation zwischen den Nachbarn, die bis ins Jahr 2008 andauerten und die schließlich gerichtlich geklärt werden mussten.
    Es ist auch anzunehmen, dass bei den maschinell durchgeführten Erdarbeiten zur Errichtung eines Teiches die Positionen von größeren Steinen verändert wurden. Ein nun auf dem Staudamm des Teiches befindlicher Steintisch wurde mit Sicherheit nicht über eine weite Strecke transportiert, sondern aus dem "herumliegenden Material" zusammengestellt.

    Etwa 1970 hatte einer der Bewohner von Kermore den Eindruck, dass das Wasser im granitgefassten Brunnen nicht mehr sauber genug war "um damit Suppe zu kochen". Er grub deshalb 30 m nord-westlich der ursprünglichen Quelle nach Wasser. Den neuen Brunnen deckte er mit Maschendraht ab um Tiere fern zu halten. Das Abgraben des Wasser führte vermutlich endgültig zum Versiegen des Wassers im direkten Bereich des zentralen Felsens.

    Aus der Distanz betrachtet, erscheinen die Aktivitäten der Anwohner fragwürdig. Aber, während das Interesse an Dolmen oder Menhiren sich nach Steinzeit, spätestens nach der Zeit Kelten , darauf beschränkte diese als Baumaterial zu verwenden, war der Brunnen von Kermore fortwährend von praktischem Nutzen und dementsprechend in Gebrauch.
    Zunächst war der große Felsen und das auch im Sommer ausreichend vorhandene frische Wasser die ideale Voraussetzung für einen Lagerplatz. Im Laufe der Jahrtausende fanden dann verschiedene Baumaßnahmen statt, über deren tatsächliches Ausmaß nur spekuliert werden kann.

    Ein gute Vorstellung über die bewussten Zerstörungen erhält man in der gegenüberliegenden Steingruppe auf dem Gebiet der Gemeinde Saint-Nizon / Malguenac. Hier wurden ganz offensichtlich große, wahrscheinlich aufrecht stehende Steinblöcke, schlichtweg in Stücke gesprengt. Nicht um Steine für den Hausbau zu erhalten, nein, es wurde gesprengt um zu zerstören und die Bruchstücke liegen demzufolge immer noch herum.

    Einen kleiner Überblick über die bewegte Geschichte ergibt sich aus den am Brunnen und dessen Ablauf gefunden Tonscherben. Im Laufe der Jahrtausende gingen wohl einige Tonkrüge zu Bruch:




    www.Triskel.info

  2. #2
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    Standard Der Brunnen von Kermore im Laufe der Jahrtausende

    Super Sache, danke für das Schreiben der Anleitung. Ich werde bei Gelegenheit das Thema mit den bekannten Problemen und Lösungen aktualisieren und deine Anleitung dort dann auch verlinken.

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